Jena, 10.09.2020
 
Eigentlich soll unsere Kampagne Menschen darüber aufklären, dass auch Männer von häuslicher Gewalt betroffen sein können. Heute, zum Welttag der Suizidprävention, soll sie für alle stehen, die sich verzweifelt und mutlos fühlen und darüber nachdenken, ihrem Leben ein Ende zu setzen.
 
Wir möchten Mut machen und sagen: Macht die Dinge nicht nur mit euch selbst aus! Sucht euch Unterstützung und Hilfe, wenn ihr glaubt, es gibt keinen Ausweg mehr. 

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Unser Kollege Hagen Bottek gibt Einblicke in unsere Arbeit und erklärt, was es braucht, wenn Männer Gewalt in engen sozialen Beziehungen erleben. 

Zum Interview

 

 

offene sprechstunde

Ab 30. Juli bieten wir jeden letzten Donnerstag im Monat eine offene Sprechstunde im Frauen – und Familienzentrum in der Rankestr. 11 in Arnstadt an. Von Gewalt in Partnerschaft oder Familie betroffene Männer können sich in der Zeit zwischen 15.00 – 17.00 Uhr unkompliziert und ohne Voranmeldung an uns wenden. 

Weitere Infos finden Sie hier.

Jena, 21.07.2020

Auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt. Das macht die jüngst veröffentlichte Thüringer Polizeistatistik noch einmal deutlich. Bei den über 60-jährigen übersteigt der Anteil der betroffenen Männer in einigen Regionen, wie Erfurt und Nordhausen, sogar den der Frauen. Weiterlesen

In ihrem Podcast sprechen Familientherapeut und PROJEKT A4- Mitarbeiter Hagen Bottek und Schulsozialarbeiter Kevin Zech über Themen rund um Jungen- und Männerarbeit, Rollenbilder, Geschlechtergerechtigkeit und gesellschaftliche Entwicklungen mit Blick auf Männerthemen. Reinhören lohnt sich. 

In Folge 3: Wozu dienen Helden? 

Jenaer Sportler*innen der Vereine FF USV Jena, Science City Jena und FC Carl Zeiss Jena haben sich bereit erklärt, bei einer Aufklärungskampagne „Gemeinsam stark gegen Psychische Gewalt“, auf die Ausprägungen von psychischer Gewalt in Beziehungen und mögliche Unterstützungsangebote hinzuweisen. 

„Für mich war sofort klar, dass ich bei dieser Kampagne mitmache. Im Sport geht es auch um Rivalität und Wettkampf. Aber psychische und körperliche Gewalt oder Mobbing, darf weder im Sport noch im Privaten einen Platz haben.“, sagt Oliver Mackeldanz (Science City Jena).

Er und 12 weitere Sportler*innen sind Botschafter*innen der Aktion, die auch unter dem Hashtag #gegenpsychischeGewalt auf Instagram und Facebook zu finden ist. Die Plakate mit sechs verschiedenen Motiven und Sprüchen sind ab dem 29. Juni an verschiedenen Standorten in Jenas Innenstadt und im Nahverkehr zu sehen.

Die Idee zu der Aktion „Gemeinsam stark gegen Psychische Gewalt“ entwickelte Ronja Menzen während ihres Praktikums im Jenaer Frauenhaus e.V. Gemeinsam mit zwei weiteren Freiwilligen entstand daraus das Mykhorrhiza Kollektiv.

Projekt A4 ist der dritte Partner der heute anlaufenden Kampagne. Denn das Erleben und Erleiden psychischer Gewalt in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen ist auch in unseren Beratungen mit Männern wiederkehrendes Thema. Für eine Sensibilisierung und Veränderung von öffentlichen und gesellschaftlichen Anschauungen zu psychischer Gewalt in Beziehungen braucht es kraftvolle Initiativen und gemeinsame Anstrengungen. Wir freuen uns daher sehr, gemeinsam mit dem Jenaer Frauenhaus e.V. und den Jenaer Sportler*innen sowie ihren Vereinen dieses wichtige Thema in die Öffentlichkeit zu transportieren!

Mehr dazu finden Sie hier.

Das Projekt A4 unterstützt den Aufruf zur Männergesundheitswoche 2020! Mehr Infos zur Stiftung Männergesundheit finden Sie hier:

Die 27. Männergesundheitswoche findet weltweit vom 15. bis 21. Juni 2020 statt.

Dieses Jahr stellt die Stiftung Männergesundheit die Corona-Epidemie in den Vordergrund. Dabei weist die Stiftung darauf hin, dass Männer „auf Grund eines schwächeren Immunsystems, einer häufig ungesünderen Lebensweise und auch einer oft erhöhten Risikobereitschaft stärker von Corona-Erkrankungen betroffen sind. Im Mittelpunkt der diesjährigen Männergesundheitswoche stehen deshalb alle Bemühungen, Infektionen zu vermeiden und die Gesundheit zu stärken.“

Weiterhin ruft die Stiftung Männergesundheit Netzwerke, Kommunen und Akteure für Jungen- und Männergesundheit dazu auf, „sich einen Schwerpunkt für einen Aktionsplan in der Männergesundheitswoche herauszugreifen und öffentliche Aufmerksamkeit über Medien zu erlangen, damit männerspezifische Gesundheitsprobleme speziell im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie thematisiert und aufgegriffen werden.“

Lesen Sie hier (PDF-Dowload) den vollständigen Aufruf mit einigen Vorschlägen für Aktionspläne zur Männergesundheitswoche 2020!

Nicht in allen Bundesländern sind die Hilfestrukturen für gewaltbetroffene Männer so weit ausgebaut, wie in Thüringen. Deshalb freuen wir uns über diese wichtige Ergänzung für jene Männer, die bisher keinen Zugang zu Hilfsangeboten hatten. Männer, die z.B. von körperlicher oder seelischer Gewalt im häuslichen Umfeld betroffen sind, können sich nun auch unter der kostenlosen Nummer 0800 123 99 00 melden. Mehr Infos unter https://www.maennerhilfetelefon.de/
Gewalt in engen sozialen Beziehungen betrifft viele Menschen. Auch Männer bilden da keine Ausnahme! Bei uns finden betroffene Männer aus Thüringen Unterstützung und Hilfe. Auch Fachpersonal oder Angehörige von Betroffenen können sich gern an uns wenden. 

Aus beruflichen Gründen sehe ich mir regelmäßig auf verschiedenen Medienplattformen Beiträge und Artikel zum Thema häusliche Gewalt an. Und da ich auch beim Projekt A4 arbeite, also zum Thema psychische und physische Gewalt gegen Männer, ist meine Perspektive auch auf Männer als Betroffenen von häuslicher Gewalt gerichtet. So bin ich auf den  Artikel bei ARD/MDR (https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/gewalt-gegen-frauen-100.html) gestoßen. Unter dem Thema „häusliche Gewalt- Wie kann man helfen?“ werden dort unterschiedliche Vorschläge, Infos und Beiträge dargestellt.Erstmalig erschien dieser Beitrag im November 2019 und wurde jetzt  nochmal in der Corona-Zeit im April neu verlinkt. So bin ich auf diesen Beitrag geleitet worden.

Öffentliche Aufklärung und Hinweise auf Unterstützung zu dem Thema häusliche Gewalt finde ich sehr wichtig. Die Lobby von Männern ist bei dem Thema nicht allzu groß, auch wenn in den letzten Jahren mehr Hilfs- und Beratungsangebote gefördert werden. Noch ist es aber schwer zu vermitteln, dass auch Männer in ihren Beziehungen Opfer von Gewalt werden.

Daher erkenne ich es als sehr positiv an, dass ARD/MDR nicht nur häusliche Gewalt gegen Frauen und Gewalt gegen Kinder thematisieren, sondern auch das Thema Gewalt gegen Männer im Blick haben. Dies ist wahrlich nicht selbstverständlich. Umso mehr ärgere ich mich über das zu dem Artikel gehörende Bild.

Geradezu comichaft wird hier eine Gewaltsituation dargestellt, welche der dahinterstehenden Dynamik und dem Bedrohungsszenario in keinster Weise gerecht wird. Wer psychische und körperliche Gewalt erlebt hat, wird sich durch diese Darstellung nicht verstanden und in seinem Leid nicht anrerkannt fühlen. Niemand wird durch dieses Bild auch nur im Wesentlichen für das Thema sensibilisiert, was doch eigentlich das Ziel gewesen sein wird. Ein Schmunzeln wird dem/r Leser*inn kurz über das Gesicht huschen ob dieses witzigen Bildes und dann wird zum nächsten Beitrag geklickt. Oder man/frau zeigt sich gegenseitig das Bild und lacht über das blöde Schielen des Trottels. Oder man/frau ärgert sich darüber, so wie ich. Denn wer sich medientechnisch auch nur ein bischen auskennt weiß, Bild „schlägt“ Text. Das Bild folgt dem Klischee, dass Männer nicht Opfer von Frauen werden können. Und trägt damit selbst zur Tubuisierung und Marginalisierung von Gewalt gegen Männer bei.

Und so geht der über dem Bild stehende Text auch verloren. Was sehr schade ist, denn dem Inhalt des Textes stimme ich voll und ganz zu. Gewalt gegen Männer ist (immer noch) ein Tabuthema. Und Zitat aus dem Text: „Denn Frauen – so die Studien – tendieren als Täterinnen zu psychischer Gewalt: dem Kontrollieren der Privatsphäre, dem Unterbinden sozialer Kontakte, der Drohung mit Entzug des Sorgerechts für die gemeinsamen Kinder. Kommt es doch zu physischer Gewalt, ist dem die psychische meist vorausgegangen. Denn wer sich psychisch dominieren lässt, der wehrt sich nicht, wenn die Gewalt körperlich wird“ (Quelle: siehe obenstehenden Link).

So zeigt sich mal wieder, dass gut gedacht nicht immer gut gemacht bedeutet. Und einer guten inhaltlichen Darstellung auch noch mit einem schnell dazu eingefügtem Bild alle Ernstahftigkeit und Relevanz genommen werden kann. Es gibt also weiterhin viel zu tun.

Hagen Bottek

Diese Zeit fordert uns allen einiges ab. Soziale Kontakte sollen minimiert werden, wir sollen zu Hause bleiben. Auch unsere Männergesprächsgruppe kann derzeit aus genannten Gründen nicht stattfinden. Die aktuelle Situationen öffnet aber auch neue Wege: Das Männernetzwerk Dresden e.V. startet ab 21. April mit dem neuen Männer-Onlineforum coma. Per Video können sich Männer aus dem gesamten Bundesgebiet miteinander austauschen und ins Gespräch kommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Mehr Informationen gibts hier